Workshop zu Rechtspluralismus begeistert Studierende

15.07.2026

Lena Foljanty │ Fiammetta Bonfigli

Unter dem Titel „Legal Pluralism: Concepts, Constellations and Challenges“ gestaltete Prof. Lena Foljanty als wissenschaftliche Leiterin den Workshoptag am Freitag, den 10. Juli 2026 im Rahmen der Exzellenzveranstaltung „Junge Rechtswissenschaft“. Seit 2016 lädt die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien jedes Jahr die 100 besten Studierenden des ersten Abschnitts ein, an der mehrtägigen Veranstaltung in Strobl am Wolfgangsee teilzunehmen.

Am Vormittag gaben Prof. Foljanty und Dr. Fiammetta Bonfigli eine Einführung in Konzepte und Konstellationen von Rechtspluralismus in rechtshistorischer, rechtstheoretischer und rechtssoziologischer Perspektive. Anschließend vertieften die Studierenden das Gehörte in Gruppenarbeiten zu Beispielen österreichischer Rechtsprechung.

Der Nachmittag war den Herausforderungen des Rechtspluralismus in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet. Zunächst erläuterte Dr. Luisa Coutinho (Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie), wie im Japan des 16./17. Jahrhunderts mit Beginn der Missionierung durch Portugal das Aufeinandertreffen von christlicher Normativität und kanonischem Recht mit buddhistischer Normativität und japanischem Recht Räume für Frauen öffnete, in pluralen Normativitäten zu argumentieren.

Danach begeisterte Dr. Agnes Meroka-Mutua (University of Nairobi) mit ihrem Vortrag zu Frauenrechten und Rechtspluralismus in Kenia. Durch den kolonialen Hintergrund hat Kenia ein pluralistisches Rechtssystem, bei dem neben dem staatlichen Recht zahlreiche lokale Praktiken zur Konfliktlösung existieren. Dr. Meroka schilderte eindringlich Fälle wie Genitalverstümmelung oder Zwangsverheiratung Minderjähriger, in denen staatliches Recht zum Schutz der Frauenrechte im konkreten sozialen Umfeld nicht greift. Während der Rechtspluralismus tendenziell hinderlich für die Durchsetzung von Frauenrechten scheint, berichtete sie aber auch von Fällen, in denen lokale Rechtspraktiken bessere Lösungen für Frauen bieten als staatliches Recht.

Prof. Foljanty, Dr. Coutinho, Dr. Bonfigli und Dr. Meroka-Mutua in Strobl
Studierende bei der Gruppenarbeit in Strobl