Informationen zur Modulprüfung „Rechts- und Verfassungsgeschichte der neueren Zeit“ (gültig ab Jänner 2019)


I. Allgemeines   

Maßgebliche Rechtsgrundlage der folgenden Ausführungen ist der Studienplan für das Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, veröffentlicht im Mitteilungsblatt UG 2002 vom 02.06.2006, 32. Stück, Nummer 202 (in der Folge „Studienplan“). Die mündliche Modulprüfung aus „Rechts- und Verfassungsgeschichte der Neueren Zeit“ bildet einen Teil des Moduls „Europäische und internationale Grundlagen“ (§ 5 Studienplan) und kann erst nach Absolvierung der StEOP abgelegt werden. 

II. Zweck der Prüfung

Die Prüfung dient der „Feststellung des Studienerfolges durch stichprobenweisen Nachweis jener fachlichen Kenntnisse, Einsichten und Fähigkeiten, die im Prüfungsfach aufgrund einer wissenschaftlichen Berufsvorbildung für Juristinnen und Juristen erwartet werden können“. Dabei ist „insbesondere darauf zu achten, ob die Kandidat*innen den angegebenen Prüfungsstoff und die mit ihm verbundenen wesentlichen Anliegen, den Aufbau, die maßgeblichen Institutionen, Ordnungsfragen, Problemlagen und Sinnzusammenhänge des Faches sowohl kennt als auch verstanden hat und, soweit dies dem Wesen des Prüfungsfaches entspricht, den Prüfungsstoff fallorientiert nach den Regeln der juristischen Methodenlehre anwenden kann“ (§ 26 Studienplan). Daraus ergibt sich, dass in jedem prüfungsrelevanten Teilgebiet des Faches (Geschichte des öffentlichen Rechts, Geschichte des Privatrechts) zumindest Basiskenntnisse vorhanden sein müssen; andernfalls wird die gesamte Prüfung mit „nicht genügend“ bewertet. 

III. Prüfereinteilung und Prüfungsablauf

Informationen über die Prüfereinteilung (§ 27 Studienplan) und über den Ablauf der Prüfung sind der Homepage des Instituts, Menüpunkte „Prüfereinteilung“ und „Prüfungsablauf“ zu entnehmen.

IV. Prüfungsstoff   

Der Prüfungsstoff im Sinne des § 26 Studienplan kann in folgender Weise thematisch umrissen werden:

A) Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts: 
(1) Verfassungsgeschichte: Herrschaftsorganisation (Reich, Land, Grundherrschaft, Stadt) im Allgemeinen; österreichische Länderverbindungen im Besonderen; Entwicklung der österreichischen Länderverbindungen; Verfassung des Heiligen Römischen Reichs
(2) Privatrechtsgeschichte: Rechtsordnung (Prinzipien des Gewohnheitsrechts, Rechtsquellen); Rechtsaufzeichnungen, Gesetzesrecht; gelehrte Rechte und Rechtswissenschaft; Rezeption des römischen Rechts und Ius Romano-Germanicum; dogmatische Entwicklungen 

B) Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Revolution 1848: 
(3) Verfassungsgeschichte: Entstehung des Kaisertums Österreich; Ende des Heiligen Römischen Reiches und Bildung des Deutschen Bundes; Verfassungs- und Regierungssysteme in Mitteleuropa im Vormärz 
(4) Privatrechtsgeschichte: europäische Privatrechtsfamilien; Vernunftrecht und Kodifikationen; Exegetik und Historische Rechtsschule; dogmatische Entwicklungen 

C) Von der Revolution 1848 bis zum Ende der Monarchie: 
(5) Verfassungsgeschichte: Konstitutionalismus allgemein und Entwicklung in Österreich im Besonderen: Parlamentarismus und Wahlrecht; Grundrechte; rechtsstaatliche Einrichtungen; Nationalitätenproblem 
(6) Privatrechtsgeschichte: Pandektistik und Germanistik; Reaktionen auf Begriffsjurisprudenz und wissenschaftlichen Positivismus; pandektistische Kodifikationen; dogmatische Entwicklungen 

D) Von 1918 bis zur Gegenwart: 
(7) Verfassungsgeschichte: Ende der Habsburgermonarchie und Gründung der Republik (Deutsch-)Österreich; Entstehung und Weiterentwicklung des B-VG (1920/25/29); autoritäres Regime 1933–1938; NS-Herrschaft 1938–1945; Wiederherstellung der österreichischen Staatlichkeit und Souveränität 1945–1955; Europäische Integration 
(8) Privatrechtsgeschichte: Strömungen in Gesetzgebung und Rechtswissenschaft; dogmatische Entwicklungen
 

V. Prüfungsvorbereitung

Mit diesen Stoffinhalten können sich die Kandidat*innen auf unterschiedlichen Wegen vertraut machen. Deren Auswahl obliegt den Studierenden selbst; hier können also nur Empfehlungen abgegeben werden.

Die Modulprüfung aus „Rechts- und Verfassungsgeschichte“ ist für die meisten Kandidat*innen die erste mündliche Prüfung im universitären Rahmen. Schon deshalb ist vor allem dringend anzuraten, vom vielfältigen und umfassenden Lehrangebot des Instituts (Vorlesungen, Übungen, Kurse etc.) Gebrauch zu machen. Auch das Zuhören bei Prüfungen vermittelt wertvolle Einsichten. 

Dessen ungeachtet bleibt daneben das Selbststudium unverzichtbar. Dafür werden folgende Studienbehelfe empfohlen: 

ARBEITSGEMEINSCHAFT ÖSTERREICHISCHE RECHTSGESCHICHTE (Hrsg), Rechts- und Verfassungsgeschichte (aktuelle Auflage) jedoch ohne die Abschnitte zur Strafrechtsgeschichte.

Alternative Literaturempfehlungen: 
W. BRAUNEDER, Österreichische Verfassungsgeschichte (aktuelle Auflage); sowie
W. BRAUNEDER, Neuere europäische Privatrechtsgeschichte (Wien: Böhlau 2013); 
R. HOKE, Österreichische und Deutsche Rechtsgeschichte (1. od. 2. Aufl., Wien-Köln-Weimar: Böhlau 1992/1996; sowie
FLOSSMANN/KALB/NEUWIRTH, Österreichische Privatrechtsgeschichte (aktuelle Auflage); 
O. LEHNER, Österreichische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte (aktuelle Auflage); sowie
H. SCHLOSSER, Grundzüge der neueren Privatrechtsgeschichte (aktuelle Auflage); 
TH. OLECHOWSKI, Rechtsgeschichte. Einführung in die historischen Grundlagen des Rechts (aktuelle Auflage).

Zur Vertiefung und zum Nachschlagen:  
A. ERLER u.a. (Hrsg), Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte (1. Auflage, Berlin: E. Schmidt 1971–1998); 2. Auflage, hrsg. v. A. CORDES u.a. [noch unvollst.] 2004 ff); 
TH. OLECHOWSKI/R. GAMAUF (Hrsg), Studienwörterbuch Rechtsgeschichte und Römisches Recht (aktuelle Auflage). 

VI. Stoffabgrenzung nach § 28 Studienplan

Die Prüferinnen und Prüfer des Faches Rechts- und Verfassungsgeschichte haben sich geeinigt, folgenden Studienbehelf als Stoffabgrenzung gemäß § 28 Studienplan zu definieren: 

ARBEITSGEMEINSCHAFT ÖSTERREICHISCHE RECHTSGESCHICHTE (Hrsg), Rechts- und Verfassungsgeschichte (aktuelle Auflage) jedoch ohne die Abschnitte zur Strafrechtsgeschichte. 

Wien, Oktober 2018 
Kohl e.h. – Neschwara e.h. – Olechowski e.h. – Reiter-Zatloukal e.h. – Schneider e.h. – Simon e.h. – Vec e.h.